Pfannenfertig in die Medien

Die Redaktionen wünschen alles pfannenfertig!

Wer je einmal die Medien mit Material beliefern will, sollte zuerst an den Endverbraucher denken. Denn so denken auch die Redaktionen. Sie haben einen Stapel von Agenturmeldungen und Einsendungen aller Art vor sich. Ihr Gehirn befasst sich aber mit den Leserinnen und Leser. Die Redaktion hat ihre Kundschaft vor dem geistigen Auge: das imaginäre Publikum. Jetzt muss der Einsender nur noch handwerkliches Geschick an den Tag legen, nämlich mediengerecht abliefern. Das Rezept heisst: Pfannenfertig in die Medien. So wird mein Stoff auch abgedruckt, ausgestrahlt, geteilt.

Den Kopf zuerst beim Publikum

Was interessiert die Leserinnen und die Leser? Und was packt sie? Welche Themen liegen aktuell in der Luft? Wie könnte ich den Link zwischen den Publikumsinteressen und meiner Botschaft hinkriegen? Welche Sprache liegt diesen Menschen?

Wer sich dem Publikum nähern will, sollte mal die Zeitungen durchsehen. Was haben die Redaktionen überhaupt gebracht? Was steht ganz oben und wird ganz gross serviert? Gleiches beim Fernsehen: Was kommt im Vorspann, was in der Nachrichtensendung selber? Packt es mich, langweilt es mich? Solche Fragen schärfen mein Gespür für das, was die Medienkonsumenten interessieren könnte. Lies keine dicken Medienlehrbücher, lies die Zeitung, hör Radio, schau bei YouTube rein! Warum steht dieser oder jener Beitrag so weit vorne?

Dann pfannengerecht schreiben

Dann denken wir an die Bedürfnisse der Redaktion. Jedes einzelne Medium hat seine Ausrichtung, und jeder Medientyp braucht anderes. Kaufe drei Zeitungen, eine vom Boulevard, eine national bekannte, und eine regionale. Denken diese Redaktionen publikumsgerecht (Repetition des oben Gesagten!) und wie servieren sie ihren Stoff? Wie ist eine Meldung aufgebaut, in der News verkauft werden? Wie liest sich ein Kommentar? Lies auch die Kurzmeldungen: Wie bringt man es kurz auf den Punkt?

Wie wollen die Menschen die Informationen serviert bekommen? Meterlang oder kurz. Am Stück oder als Apero riche, in handlichen Portionen?

Was wir hier üben, ist redaktionelles Handwerk. Das bedeutet, dass Text und alles weitere Material dem anvisierten Medium entsprechen soll. Alles soll dem Medientyp entsprechen und der Redaktion handwerklich entgegenkommen. Agenturen brauchen anderes als Regionalzeitungen, ein Radio anderes als ein Blog. Aber es gibt auch unterschiedliche Bedürfnisse vom Verwendungszweck her – ein Bericht mit Newscharakter folgt einem anderen Aufbau als eine Reportage oder ein Leserbrief. Tools in Form von Checklists können hier auf die Sprünge helfen. Hier erfährt man, wie man Titel, Lead und Grundtext perfekt anlegt. Und wie man mit Zwischentiteln und Boxes das Ganze auflockert. Dazu gibt es praxisnahe Bücher. Das unterstützt unsere Grundidee: Pfannenfertig in die Medien.

Bei Medienportalen, die von Affiliates mitgenutzt werden, gelten eigene Regeln. Man findet sie auf den betreffenden Portal-Websites.

Mediensprache, was kann das sein?

Wer regelmässig Medien mit Material beliefert, wird früher oder später erkennen müssen, dass die Sprache überaus wichtig ist und dass der Journalismus sprachlich gewisse Eigenheiten aufweist. Auch dafür gibt es hilfreiche Tools. Im Medientext gibt es normalerweise nur die dritte Person, also kein Ich und kein Du. Bestenfalls mal ein Wir. Nur in Zitaten darf alles persönlicher werden.

Es gibt kein Gestern und kein Heute. Denn wenn das Publikum meine Einsendung von heute Montag liest, wird es Dienstag sein. Es gibt auch keinen Herrn Müller und keine Frau Schulz. Sondern es gibt Mario Müller und Elisabeth Schulz. Die Doktortitel verschwinden, dafür kommen erklärende Funktionen rein: Professor Neunmalklug, Ministerpräsidentin Strahlefrau. Das alles gehört zu den Spezialitäten der Mediensprache. Daran schliessen sich alle (!) Regeln der „normalen“ Alltagssprache, also Orthografie, Grammatik und Stil – sie alle sollen korrekt und gepflegt daherkommen. Gelegentlich greifen auch Journalisten zum Duden! Einzelne Medien organisieren Sprachkolloquien und drücken den Nachwuchsjournalisten nützliche Sprachhilfen in die Hand.

Varianten der Annäherung

Zeitungen brauchen neben Texten auch Bilder. Radios stattdessen viel O-Ton. Manchmal ist es angezeigt, eine Redaktion nicht zu überfluten, sondern ihr einfach Angebote zu machen, zum Beispiel für ein Interview, für einen Augenschein. Vielleicht reicht ein telefonisches Angebot und der Journalist macht daraus ein Interview? Auch das ist eine Annäherung ans Medium. Je mehr ich dem Medium entgegenkomme mit dem, was ich anzubieten habe, desto höher sind meine Abdruckchancen. Also gilt immer und überall: Pfannenfertig in die Medien. Ran an die Redaktion.

 

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