Das Ranking – des Teufels!

Als es noch keine elektronischen Medien gab, war die Zeitungsauflage das Mass allen Medienglücks. Dann kamen Radio und Fernsehen mit ihren Einschaltquoten. Und jetzt, im Web?

Im Ranking ist der Teufel Gott klar unterlegen

Im Internet finden Followerzahlen grösste Beachtung, und ein Webmaster, dessen Site bei Google-Anfragen ganz oben steht, wird Beifall ernten, egal, wie dieses Ranking entstanden ist. Ein erster Platz mache teure AdWords überflüssig, und zum Teil stimmt diese Behauptung auch. Interessant ist, dass Google qualitativ gut gelungene AdWords-Auftritte mit Tarifreduktionen begünstigt. Der bezahlte Spitzenrang im Suchresultat macht sich also doppelt bezahlt. In der Inseratenbranche hätte das gleiche Prinzip zur Folge, dass sexy Inserate weniger teuer wären als andere.

Journalistisch und redaktionell tätige Medienleute freuen sich natürlich genauso wie Webmaster über ein hohes Ranking. Aber ob dieses auch immer höchste Qualität bedeutet? Ist die „Volksabstimmung“ am Kiosk auch ein Werturteil? Insofern ja, als hohes Ranking eine starke Beachtung im Publikum bezeugt. Aber es gäbe noch andere Kriterien, etwa jene der Kreativität, der Innovation, des Fortschritts. Gerade die aktuellen zentralen Fragen der Gesellschaft rufen eher nach Veränderung als nach dem Weitermachen. Da würde man lieber den genialen Einfall und den gekonnten Ausweg aus den vielen Sackgassen der Weltkonferenzen wünschen. 

Zum Teufel also mit dem Ranking? Da wäre man schlecht beraten, denn der Teufel kommt bei der Google-Nachfrage nur auf 36,2 Mio Nennungen, Gott aber auf 218 Mio. Die Hölle liegt mit 18,8 Mio Nennungen weit hinter dem Himmel, der auf 172 Mio kommt. Da schicken wir doch lieber ein Stossgebet in den Himmel, wenn wir an die Medien denken.

  

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