Rätsel um die Mediengunst

Warum einige Medienbeiträge landen dürfen und andere nicht – eine nicht ganz einfache Frage.

Was kommt wie rein in die Zeitung? Redaktionen überlegen aus Lesersicht.

Es gibt im Medienalltag ein Schauspiel, bei dem Medienverantwortliche ihre wichtige Rolle als Gatekeeper wahrnehmen. Soll das Thema rein ins Medium oder soll es nicht?

Erstes Kriterium ist die Eingangsfrage, ob ein zugestellter Beitrag generell geltende Medienanforderungen erfüllt. Dafür muss ein Beitrag aktuell oder ungewöhnlich, menschlich berührend oder unterhaltend sein. Dafür haben Agenturen, Redaktionsleute, Journalistinnen und Journalisten ein sicheres Gespür, und man tut als Aussenstehender gut daran, sich dieses Gespür ebenfalls anzueignen.

Das zweite Kriterium ergibt sich vom einzelnen Medium her. Passt ein Bericht über Chile in meine deutsche Regionalzeitung hinein?

Dann aber kommt das dritte Kriterium: das der blossen Vorlieben – der Medien schlechthin oder der einzelnen Medienschaffenden. Medien scheinen gewissen Themen zugeneigt zu sein ist (zum Beispiel grünen oder sozialen Fragen), anderen tendenziell eher abgeneigt (zum Beispiel Fragen um die Landesverteidigung, der Bankenwelt).

Es gibt in der Schweiz ein Hilfswerk, das in seiner jährlichen Spendensammlung immer jene Themen mied, das keine grosse Mediengunst genoss. Oder keine Publikumsgunst. Wobei Mediengunst nicht etwa gleichzusetzen ist mit der Gunst des Volkes. In der Schweiz nahmen Medien alle Flüchtlingsthemen eher positiv auf und unterstützten alles, was im Inland den Flüchtlingen weiterhalf. Das wurde vom Volk nicht gleich empfunden. Woran das liegen mag? Eine interessante, vielschichtige Frage.

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