Der Lockruf des „Ranz des Vaches“

Seit Jahrhunderten locken Sennen und Hirten mit einem einzigartigen Lied die Kühe zur Heimkehr und zum Melken. Auch Napoleon wusste davon.

Lioba – der Freiburger Käser Bernard Romanens sang das Lied wie kaum ein anderer

Der „Ranz des Vaches“ gehört zur Liedgattung der Kuhreigen, deren faszinierender Klang nachhause ruft. Auch norwegische und wallonische Hirten benutzen ihn, aber am bekanntesten ist der „Ranz des Vaches“, wie er im Kanton Fribourg gesungen wird – im Patois gruyèrien. Von ihm geht eine unausweichliche Magie aus, die schon Komponisten wie Beethoven und Wagner beschäftigte. Jean-Jaques Rousseau, der Arzt Johannes Hofer und andere schrieben über ihn. Hofers Buchtitel 1688: „De Nostalgia vulgo Heimwehe oder Heimsehnsucht“. Die Sennen sprechen von „Loobe“ oder „Loobeli“, wenn sie Kühe meinen.

Napoleon wusste von der Wirkung des Liedes, deshalb hat er diesen Gesang während der Feldzüge verboten, um Heimweh, Melancholie und Desertionen zuvorzukommen. Sowas konnte er auf dem Russlandfeldzug, an dem die Eidgenossen regimenterweise teilnahmen, auf keinen Fall dulden. Heute noch gehört das Lied zu den grossen Fribourger Traditionen. Man singt es auf der Tribüne, wenn der Eishockeyclub Fribourg Gotteron gewonnen hat. Viele glauben damit die Westschweizer Hymne zu hören, und es erstaunt nicht, dass er an der berühmten Fête des Vignerons in Vevey gesungen wird.

Musik ist eine Form von Sprache, wie sie auch beim Alphorn zum Ausdruck kommt. Sie verkündet einiges vom einfachen Leben auf der Alp, von Traditionen und Sehnsüchten. Direkt verbal wird sie beim Betruf, der über weite Strecken zu hören ist und entfernt lebende Sennen die Gemeinschaft fühlen lässt.

0