Das Hamburger Verständlichkeitskonzept

„Sich verständlich ausdrücken“ – so lautet der Titel eines Buches, das auf alten Studien beruht. Der Griff zum Buch lohnt sich noch heute.

Das Gehirn braucht klare Signale. Eine EEG-Untersuchung lässt Hirnströme erkennen.

Anfangs der 1970erjahre haben an der Universität Hamburg die Psychologen Reinhard Tausch, Inghard Langer und Friedemann Schulz von Thun gemeinsame Untersuchungen angestellt. Es ging um das Thema Verständlichkeit. Ihr Buch „Sich verständlich ausdrücken“ ist 2015 in 10. Auflage erschienen. Es ist noch heute eine Lektüre wert, obwohl aus moderner Sicht vieles zu ergänzen wäre.

Wer etwas sagt oder schreibt, ist dafür verantwortlich, dass das Gegenüber das Erklärte auch versteht. Das Hamburger Konzept schlägt vier Verständlichmacher vor:

  • Einfachheit: Texte sollen einfach gehalten werden, konkret und anschaulich daherkommen und lebendig sein. Nebensätze gehören vor oder hinter die Hauptsätze, nicht in die Hauptaussage hinein. Ungewöhnliches wird erklärt.
  • Ordnung: Der Autor sagt eingangs, worum es geht. Er hält sich an eine sinnvolle Reihenfolge und macht Bezüge deutlich. Die innere Ordnung widerspiegelt sich in der äusseren Gliederung.
  • Prägnanz: Langer Satz ist für die Katz. Verständlichkeit setzt Kürze voraus, aber keine übertriebene. Oft braucht eine Darlegung Redundanz, also bewusste Wiederholung, vor allem in Vorträgen.
  • Anregung: Wer Impulse gibt, Vorschläge liefert, zum Weiterdenken anregt, ergänzt das Erklärte mit praktischem Sinn. Oft übernehmen konkrete Beispiele diese Rolle.

Nicht nur zur Rhetorik ist natürlich einiges zu ergänzen. Aber auch die Orthografie, die Grammatik und vor allem der Sprachstil sollten optimal daherkommen. Gleiches gilt für das Zusammenspiel von Lesetext, Ton und Bild. Dafür halten Kommunikationsfachleute hilfreiche Checklists bereit.