Die Macht des Propheten!

Pygmalion-Effekt: eine Vorstellung holt uns als Realität wieder ein

Seit dem Rosenthal-Experiment, benannt nach Robert Rosenthal, ist alles möglich! In diesem Schulexperiment machte man zufällig ausgewählten Schülerinnen und Schüler die Feststellung, dass sie im künftigen Schuljahr überdurchschnittliche Leistungsfortschritte machen würden. Die Lehrer glaubten diesen Vorgaben. Der Abschluss dieses Schuljahres zeigte, dass die Ausgewählten tatsächlich einen stärkeren Fortschritt erzielt hatten als andere Schüler. Die Macht des Propheten!

Robert Rosenthal und Lenore Jacobson haben das Experiment im Buch „Pygmalion im Unterricht“ beschrieben, das 2015 in zehnter Auflage erschien.

Experiment mit Ratten

Rosenthal berichtete 1963 auch über ein Experiment mit Ratten. Sechs Studenten teilt man mit, ihre Ratten seien so gezüchtet, dass sie einen Irrgarten besonders schnell durchlaufen sollten. Weiteren sechs Studenten erhielten die Mitteilung, dass ihre Ratten auf Dummheit gezüchtet worden seien. Obwohl alle Ratten in Wirklichkeit den gleichen genetischen Stamm aufwiesen, zeigte die erste Rattengruppe bessere Leistungen. Offensichtlich beeinflussten die Projektionen der Studenten die Ratten.

Seit diesen Untersuchungen wird dieses Phänomen als Rosenthal-Effekt beschrieben.

„Die erfundene Wirklichkeit“

Im Buch „Die erfundene Wirklichkeit“ schreibt Paul Watzlawick darüber. Interessante Frage dort: „Spielt die Zukunft nicht immer in die Gegenwart hinein?“ Bei selbsterfüllenden Prophezeiungen versage das herkömmliche Ursachendenken. Watzlawik zeigt die „eigenartige Verkehrung von Ursache und Wirkung“ auch anhand zwischenmenschlicher Konflikte. Ähnliche Beobachtungen machte man etwa beim Verhalten von Krebspatienten. Die Macht des Propheten!

Nun könnte man sich fragen, ob nicht auch Wahlprognosen, wie sie etwa vom ZDF regelmässig aufgrund von Befragungen präsentiert werden, die Wahlen selber direkt beeinflussen. Das wäre eine demokratisch nicht unproblematische Situation.

Ausserdem sei die Frage erlaubt, ob nicht auch Affiliates mit ihren Glücksverheissungen bei ihrem Zielpublikum die Zukunft vorwegnehmen. Ihre hypnotisierenden Sätze haben allzu oft eine beschwörende Wirkung. Und es fällt auf, wie oft darin von der Zukunft die Rede ist.

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