Fernflüge – weg von Windkraftanlagen!

Zur häufig zitierten Flugscham präsentierte der Südkurier einen mutigen Bericht.

Die Reisejournalistin Nicole Quint schreibt in der Wochenendausgabe vom 4. Januar 2020 packend und biografisch nahe, und sie serviert ein klares Argumentarium – wohlverstanden auch in eigener Sache. Sowas verdient Respekt.

Sie blendet zurück in Zeiten, da Flüge der hohen Ticketkosten wegen nicht für alle erschwinglich waren, und leitet über zur aktuell erlebten “Demokratisierung des Fliegens”, die jedem das Erlebnis in den Lüften möglich macht – wenn auch permanent eingebläutem Mahnung zur gebotenen Flugscham. Sie hält dagegen. Es sei kein individuelles Fehlverhalten, das die Klimakatastrophe verschulde, erklärt sie. Gesellschaftliches Umdenken lasse sich auch nicht verordnen. Das schreibt jemand, der offenbar in den Himmelshöhen immer recht viel Freiheit genossen hat.

Das ist ihr nicht übel zu nehmen, die Meinungsfreiheit ist auch bei diesem Thema zu gewähren. Dazu gehört der legitime Hinweis, dass nur fünf bis acht Prozent der klimaschädlichen Emissionen auf Flüge zurückzuführen sind. Dieses Argument macht zwar die Atmosphäre auch nicht gesünder, aber Dimensionen sind in Umweltfragen stets im Blick zu behalten.

Pikant ist allerdings die Prognose, wonach – so Nicole Quint sinngemäss – die Weitflugwünsche zunehmen, je stärker der Alltag zuhause zur Zumutung wird. “Ein Verzicht auf Flugreisen wäre “ein fataler Verlust, weil wir unsere Ferien dann nur noch in den mit Windkraftanlagen vollgestellten Landschaften der Heimat verbringen müssten.” Diese Verknüpfung in Form eines Fluchtreflexes kommt doch etwas bizarr daher, wird doch die in  Flughöhe begangene “Sünde” gegen eine andere ausgespielt, die auf der verschandelten Wiese. Auf solche Abtauschgeschichten hat die umweltbewusste Gesellschaft sicher nicht gewartet. Vielleicht müsste man nach der “Demokratisierung des Fliegens” eine  “Demokratie der Umweltbelastung” anstreben, der sich wirklich niemand mehr entziehen darf. Eine breitere und verstärkte Zurückhaltung bei Androhung eines gleichmässig verteilten schlechten Gewissens – darauf werden wir uns so oder so einstellen müssen.      

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