Keine Arithmetik mit Todesopfern – oder doch?

Spanische Grippe 1918/19 und Corona Virus 2020

Spanische Grippe [Foto Aargauer Tagblatt]

Medienleute werden oft mit der Frage konfrontiert, ob sie Todesopfer-Zahlen miteinander vergleichen dürfe oder nicht. Die erste Regel lautet immer: tu’s nicht. Todesopfer bringen immer grosses Leid, ob in grosser Zahl oder in kleiner. Aber es gibt Ausnahmen.

Eine erste Ausnahme rührt von der geografischen Verteilung her. Diese Regel besagt, dass eine Regionalzeitung zwar ein einzelnes Verkehrsunfallopfer innerhalb der Region melden wird, nicht aber jedes einzelne auf einem fernen Kontinent. Letzteres wäre von der Menge her gar nicht machbar.

Eine zweite Ausnahme könnte sich vom Interesse her ergeben, Dimensionen wahrnehmen und beispielsweise eine Epidemie besser einschätzen zu können. Tatsächlich möchte man gerne die Gefahr des Corona Virus einstufen. Da kann der Vergleich mit der Spanischen Grippe 1918/19 einen Hinweis geben. Damals kamen allein in der Schweiz 25 000 Menschen ums Leben, darunter auch die Grossmutter und die Urgrossmutter des Schreibers dieser Zeilen. Weltweit könnten es 50 Millionen gewesen sein. Der Erste Weltkrieg selber forderte 10 Millionen, wobei eben niemand hinschreiben möchte, es seien “nur” 10 Millionen gewesen. Ob die Opferzahlen 1918/19 auch so die Situation 2020 harmloser erscheinen lassen? Möglicherweise schon.

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